Ernährung bei Erkrankungen

Ernährung

bei Erkrankungen

Krebs

Die Hinweise auf eine mögliche Krebserkrankung können sehr unspezifisch sein: Gewichtsverlust, sich matt und ausgelaugt, müde und schlapp fühlen, leicht reizbar sein, Kopfschmerzen, Schlaf- und Schluckprobleme - das sind häufig die Begleiterscheinungen von Krebs und den nötigen Behandlungsformen.

Eine Ernährungstherapie kann Sie gut unterstützen. Denn eine ausreichende Nährstoffversorgung heißt für Sie, dass Sie die Krebstherapie besser vertragen. Es bedeutet aber auch, dass Sie sich kräftiger und leistungsfähiger fühlen. Sie können dann aktiver sein und fühlen sich dadurch einfach wohler. Ernährungstherapie ist etwas, das Sie selbst in die Hand nehmen und aktiv steuern können.

Sicher beobachten Sie viele Veränderungen an sich und an Ihrem Körper und haben viele Fragen.

Haben Sie festgestellt, dass Sie abnehmen, ohne eine Diät zu machen? Vielleicht haben Sie sich zunächst sogar gefreut, dass Sie dünner werden? Ein deutlicher Gewichtsverlust ist jedoch ein wichtiger Hinweis auf die Erkrankung und zieht häufig weitere Beschwerden nach sich. Deshalb ist es nun wichtig, das Gewicht wieder ins Gleichgewicht zu bringen bzw. nicht noch mehr abzunehmen. 

Ganz typisch für Krebs und seine Behandlung ist z.B. dass Sie manche Lebensmittel nicht mehr so gut vertragen. Ihr Appetit kann sich verändern. Vieles schmeckt nicht so wie früher. Auch Kau- und Schluckbeschwerden können auftreten, wenn der Krebs im Kopf- oder Halsbereich sitzt.

Mangelernährung

So beeinflussen Krebs und Ihre Ernährung sich gegenseitig

Eine Krebserkrankung und ihre Therapie hinterlassen Spuren: Sei es, dass Sie ungewollt an Gewicht verlieren, an Übelkeit leiden, Ihr Appetit verloren geht oder Sie plötzlich manche Lebensmittel schlecht vertragen.

Es gibt verschiedene Gründe für Ernährungsschwierigkeiten bei einer Krebserkrankung. Denken Sie an den Tumor selbst: Der Tumor hat das Bestreben zu wachsen. Dazu braucht er viele Nährstoffe. Diese holt er sich aus den Körperreserven wie dem Fettgewebe und der Muskulatur. Damit die Körpergewebe nicht völlig aufgezehrt werden, müssen Sie sich ausreichend Energie und Nährstoffe zuführen. Nur so kann Ihr Organismus alle Funktionen aufrecht erhalten und vor allem eine körpereigene Immunabwehr gegen den Krebs entfachen.

Sitzt der Tumor im Kopf- oder Halsbereich, kann das zu Kau- und Schluckbeschwerden führen. Die sich vermehrenden Zellen verengen z. B. die Speiseröhre. Aber nicht nur die Krebserkrankung selbst kann zu Schwierigkeiten bei der Ernährung führen, sondern auch die Therapie. Haben Sie beispielsweise mit Entzündungen im Hals und Rachenraum zu tun? Fachleute nennen das auch Mukositis. Sie kann die Folge einer Bestrahlung oder Chemotherapie sein, die zu den wichtigsten Krebstherapien gehören. Eine solche Entzündung macht das Schlucken schwer.

Sie haben wenig Appetit, Ihnen ist häufig übel? Das sind Nebenwirkungen, die häufig begleitend zur Chemotherapie auftreten. Essen und Trinken kann dadurch sehr beschwerlich werden.

Ihr Tumor wurde operiert? Auch eine Operation kann Spuren hinterlassen, die die Ernährung erschweren. Narkosemittel und der Eingriff selbst wirken sich je nach Dauer der Operation auf den Körper aus.

Was können Sie tun? Mehr als Sie vielleicht denken. Als Faustregel gilt: Je besser Ihr Ernährungszustand ist, also je besser Sie mit Nährstoffen versorgt sind, desto besser kann Ihr Körper Operationen, Strahlen- und Chemotherapie verkraften.

Ihren Ernährungszustand können Sie mit einer gezielten Ernährungstherapie vor, während und nach der Krebsbehandlung positiv beeinflussen.

Folgen der Chemo- und Strahlentherapie

Auch wenn die Chemotherapie heute besser vertragen wird, bedeutet sie noch immer eine Belastung des Körpers. Chemotherapeutika (Zytostatika) sollen die Vermehrung der Zellen hemmen. Sie wirken aber nicht nur bei den Tumorzellen. Auch gesunde Körperzellen können geschädigt werden. Eine bekannte Folge dieser Nebenwirkung ist z. B. Haarausfall. Manche Zellen entzünden sich. Besonders im Mundbereich und in der Speiseröhre können Sie dann Schmerzen beim Kauen und Schlucken haben.

Bei der Strahlentherapie (Radiotherapie) hängen die Nebenwirkungen davon ab, welche Körperteile bzw. -regionen mit welcher Stärke bestrahlt werden. Hier kann es zu Übelkeit, Durchfall und Erbrechen kommen. Werden zum Beispiel die Speicheldrüsen bestrahlt, kann Mundtrockenheit folgen. Auch Entzündungen und Geschmacksstörungen sind möglich. Wenn innere Organe wie Harnblase oder Darm durch die Strahlentherapie gereizt werden, können Durchfall, Bauchschmerzen oder Verstopfung auftreten.

Wie Sie mit diesen Nebenwirkungen im Alltag am besten umgehen, erfahren Sie in der Rubrik "Tipps für den Alltag".

Folgen von Operationen

Jede Operation ist eine Belastung für den Körper, denn sie ist ja eine Verletzung, eine Herausforderung für uns. Besonders bei Operationen an Verdauungsorganen wie Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse oder Leber kann das Folgen für die Ernährung haben.

Beispiel Magen: Bei einer Entfernung des Magens – auch wenn er nur zum Teil operiert wird – besteht die Gefahr, dass vom Körper nicht mehr genügend Kalorien aufgenommen werden. Das kann an einem frühen Sättigungsgefühl liegen, weshalb Sie weniger als sonst essen. Außerdem fließt durch einen fehlenden Muskel am Mageneingang der Speisebrei zurück und kann Entzündungen an der Speiseröhre verursachen. Auch das bewirkt, dass Sie weniger essen, denn es bereitet Ihnen Schmerzen.

Wird die Bauchspeicheldrüse entfernt, erfordert dieser Eingriff eine Umstellung der Ernährung. Die Bauchspeicheldrüse liefert viele Verdauungsenzyme und das Blutzucker senkende Hormon Insulin. Hier gibt es Möglichkeiten, die auftretenden Störungen medikamentös auszugleichen. Aber auch die Ernährungsweise sollte angepasst werden, um Durchfälle, erhöhte Blutzuckerwerte und Gewichtsverlust zu vermeiden.

Bei der Entfernung eines Darmabschnitts und der Anlage eines künstlichen Darmausgangs kann es zu Problemen bei der Nahrungsverwertung kommen. Ihr Körper muss sich erst langsam an die neue Situation gewöhnen. Er verdaut manche Dinge schlechter oder verträgt sie nicht. In dieser Zeit muss er die Nährstoffe in leicht verdaulicher Form bekommen. Mit Hilfe der Ernährungstherapie gibt es da viele Lösungen.

Zu Kau- und Schluckbeschwerden kommt es vor allem bei operativen Eingriffen wegen Tumoren im Bereich von Kopf und Hals, z. B. Kiefer, Zunge, Mundboden, oder nach der Entfernung von Kehlkopf oder Speiseröhre.

Werden im Verlauf der Krebstherapie größere Operationen geplant, ist es wichtig, schon vor dem Eingriff auf einen guten Ernährungszustand zu achten. So kann der Körper den Eingriff besser verkraften und Wundheilungsstörungen können vorgebeugt werden.

Was Sie rund um Operationen tun können, erfahren Sie in der Rubrik "Tipps für den Alltag".

Ernährungsempfehlungen

Wollen Sie sich bereits vor der Krebstherapie mit Hilfe eines guten Ernährungszustandes in eine gute Startposition bringen? Oder sind Sie mitten in der Krebsbehandlung und wollen Ihr Gewicht wieder ins Gleichgewicht bringen oder zumindest nicht noch weiter an Gewicht verlieren? Erfahren Sie in der Rubrik Ernährungstherapie nutzen, wie Sie durch Ernährungstherapie Ihren Ernährungszustand verbessern und damit z. B. an Lebensqualität gewinnen können.
Nun ist es wichtig umzudenken: Haben Sie häufig Kalorien gezählt, um abzunehmen oder Ihr Gewicht zu halten? Dies ist jetzt nicht mehr notwendig – im Gegenteil! Essen Sie ausreichend und abwechslungsreich, damit Sie nicht an Gewicht verlieren und ausreichend Nährstoffe – vor allem Energie, Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe – aufnehmen. Gönnen Sie sich ruhig kalorienhaltige Speisen, wenn Sie Ihnen schmecken und gut bekommen!

Zögern Sie nicht – lassen Sie sich beraten. Oft können Ihnen Tipps und Veränderungen im Alltag, die Sie mit einem erfahrenen Ernährungsberater erarbeiten, bereits eine große Hilfe sein.

Wenn Ihr Gewichtsverlust mehr als 10 Prozent Ihres Ausgangsgewichts beträgt und Sie eine größere Operation vor sich haben, sollte diese möglicherweise verschoben werden. Ob und wieviel Sie in den letzten Monaten abgenommen haben, können Sie mit dem Ernährungscheck testen.

Wenn Sie an Gewicht verlieren oder ständig zu wenig Nahrung zu sich nehmen und wenn andere Tipps nicht greifen, sollten Sie an Trinknahrung denken.
Sondennahrung ist für Sie sinnvoll, wenn Sie voraussichtlich mindestens 5 Tage lang keine Nahrung aufnehmen oder über 10 Tage lang zu wenig essen können (nur etwa 60 Prozent Ihres errechneten Bedarfs). Lassen Sie sich dazu beraten.
Eine Ernährung über die Vene nennt sich parenterale Ernährung. Diese ist erforderlich, wenn Sie über den Darm nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden können. Manchmal werden enterale Ernährung und parenterale Ernährung auch kombiniert. Sofern es keine medizinischen Gründe dagegen gibt, kann natürlich das normale Essen und Trinken im Rahmen der Möglichkeiten während der enteralen und parenteralen Ernährungstherapie fortgeführt werden.

Sowohl die enterale als auch die parenterale Ernährung können Sie auch zu Hause weiterführen. Meist bekommen Sie auf Nachfrage von Ihrer Klinik oder Ihrem Arzt einen Ansprechpartner vermittelt, der Sie mit allen nötigen Nährlösungen und dem Zubehör versorgt. Er beantwortet Ihnen auch alle wichtigen Fragen und steht Ihnen beratend zur Seite. Dieser Service wird von spezialisierten Pflegediensten und manchen Apotheken übernommen. Eine ergänzende parenterale Ernährung ist auch während der Chemotherapie in der Arztpraxis möglich.

Tipps für den Alltag

Die Ernährung bietet einen guten Ansatzpunkt, aktiv den eigenen Gesundheitszustand – oder auch den Ihres erkrankten Angehörigen – zu verbessern. Hier finden Sie hilfreiche Tipps, wie Sie dies im Alltag umsetzen können. Bitte sprechen Sie vorher alle Maßnahmen mit Ihrem Arzt oder einem Ernährungsberater ab.

Was tun bei Gewichtsverlust?

  • Essen Sie 5 bis 8 kleine Mahlzeiten – das ist besser verträglich und außerdem energiereicher als 3 Hauptmahlzeiten pro Tag.
  • Ernährungsempfehlungen für Gesunde gelten für Sie nicht mehr. Essen Sie fettreich und reichern Sie das Essen mit Sahne, Butter und Crème fraiche an.
  • Der erhöhte Eiweißbedarf kann auch durch Eiweißkonzentrat, welches in Suppen und Soßen eingerührt wird, gedeckt werden. Dies gibt es z. B. in Apotheken zu kaufen.
  • Eine angenehme Atmosphäre kann wichtig sein – oft macht Essen an einem schön gedeckten Tisch mehr Spaß.
  • Wenn Sie keinen Appetit haben, greifen Sie bevorzugt auf Ihre Lieblingsspeisen zurück.
  • Abwechslung bietet Ihnen Trinknahrung, die alle wichtigen Nährstoffe enthält und die es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt.

Was tun bei Nebenwirkungen durch die Krebstherapie?

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen

Viele Chemotherapeutika sind heute gut verträglich und Nebenwirkungen wie Brechreiz und Übelkeit lassen sich medikamentös gut behandeln. Fragen Sie frühzeitig Ihren Arzt. Beachten Sie auch die Vorgaben zur Einnahme und warten sie nicht, bis die Übelkeit Sie bereits überwältigt hat.

Essen Sie vor der Chemotherapie leichte fettarme Gerichte wie Getreideflocken mit Obstpüree, Vollkorntoast mit Putenbrust oder ein Brötchen mit Konfitüre oder Honig.

Vor der Chemotherapie sollten Sie auf Ihre besonderen Lieblingsspeisen verzichten, damit Sie keine Abneigung gegen diese Gerichte entwickeln und diese vielleicht während der Therapie ein besonderer Anreiz zum Essen sein können.

Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, besonders wenn Sie unter Erbrechen leiden. Nach dem Erbrechen müssen dem Körper Flüssigkeit und Elektrolyte wieder zugeführt werden.

  • Vermeiden Sie starke Essensgerüche. Wenn es möglich ist, lassen Sie für sich kochen.
  • Vermeiden Sie außerdem salzige, stark gewürzte und fettige Speisen und essen Sie stattdessen mild gewürzte Gerichte.
  • Essen Sie zwischendurch trockene Lebensmittel wie Toast, Brezeln, Zwieback oder Cracker.
  • Beachten und berücksichtigen Sie vor allem Ihre persönlichen Vorlieben!
  • Appetitanregende Getränke sind zum Beispiel solche mit Bitterstoffen wie in Tee, Grapefruitsaft, Bitter Lemon und Tonic Water.
  • Verwenden Sie als Zwischenmahlzeit Trinknahrungen. Sie enthalten alle wichtigen Nährstoffe, sind gut verträglich und eine Abwechslung für Sie.

Geschmacksstörungen

  • Hat die Geschmackswahrnehmung insgesamt nachgelassen, bereiten Sie die Speisen mit Kräutern und Gewürzen zu, die dem Essen einen intensiven aromatischen Geschmack verleihen.
  • Bittere Speisen und Getränke wie Grapefruit, Chicorée oder manche Säfte werden mitunter als unangenehm empfunden. Testen Sie es einfach aus.
  • Bei einer Abneigung gegen Fleisch und Wurst können Sie versuchen, diese durch Milchprodukte, Eier oder Fisch zu ersetzen. Wird Fleisch vor der Zubereitung in Sojasauce, Wein oder süßen Fruchtsäften mariniert, kann das bittere Geschmacksempfinden gemildert werden.
  • Es gibt Trinknahrungen mit leicht säuerlichem Joghurtgeschmack, die alle Nährstoffe enthalten. Probieren Sie sie aus!

Kau- und Schluckbeschwerden

  • Bevorzugen Sie bei Kau- und Schluckbeschwerden flüssige oder breiige Kost (z. B. Cremesuppen, Pürees, Milchmixgetränke, passiertes Obst und Gemüse, Eier, Nudeln).
  • Vermeiden Sie trockene oder schwer zu kauende Speisen.
  • Lebensmittel und Getränke mit saurem Geschmack erleichtern das Schlucken. Hier gibt es fertige Trinknahrungen, die lecker schmecken.
  • Bei häufigem Verschlucken kann es hilfreich sein, flüssige Speisen und Getränke etwas anzudicken.
  • Kohlensäurehaltige Getränke sollten Sie gegen stilles Wasser oder Tee austauschen. Achten Sie dabei auf eine angenehme Trinktemperatur – weder zu heiß noch zu kalt!
  • Das Trinken mit einem Strohhalm ist bei Schluckbeschwerden oft einfacher.
  • Konzentrieren Sie sich bei Ihren Mahlzeiten auf das Essen und Trinken und lassen Sie sich nicht ablenken.

Mundtrockenheit

  • Ist Ihr Mund trocken, führt das nicht nur zu einem unangenehmen Gefühl, sondern erleichtert auch die Besiedlung der Mundhöhle mit Keimen, durch die es zu Karies und Parodontose kommen kann. Denken Sie jetzt besonders an das Zähneputzen.
  • Spülen Sie den Mund häufig mit einer Salzlösung (1 Teelöffel Salz auf 1 Liter Wasser) aus oder spülen Sie mit Salbei- oder Kamillentee.
  • Trinken Sie zu den Mahlzeiten viel.
  • Regen Sie die Speichelbildung durch das Lutschen von sauren Bonbons, Pfefferminz- und Salbeibonbons an oder kauen Sie Kaugummi.
  • Als Speichelersatz gibt es auch Sprays mit künstlichem Speichel, die in der Apotheke erhältlich sind.

Entzündungen im Mundbereich

  • Vermeiden Sie harte, krümelige und säurehaltige Nahrung (Knäckebrot, Zwieback, Salzstangen, Zitrusfrüchte etc.).
  • Auch stark gewürzte und heiße Speisen können die Schleimhäute reizen.
  • Nehmen Sie Speisen zu sich, die leicht zu schlucken sind wie Eierspeisen, Cremesuppen, Eiscreme und Pudding. Außerdem können Sie Hackfleischgerichte, Weichkäse, Kompott, Nudelgerichte oder Ähnliches ausprobieren.
  • Ergänzen Sie Ihr Essen um Trinknahrungen als Zwischenmahlzeit. Diese sind bilanziert, d. h. sie enthalten alle wichtigen Nährstoffe.
  • Gekühlte Speisen und Getränke (auch gefrorener Joghurt oder Sorbets) können die Schleimhautbeschwerden lindern.
  • Trinken Sie mithilfe eines Strohhalms. Dann schluckt es sich leichter.
  • Wenn die Beschwerden besonders schlimm sind, können Sie auf pürierte Kost oder Trinknahrung zurückgreifen.
  • Um die Entzündung im Mund oder auch im gesamten Magen-Darm-System zu lindern, kann ein Pulver mit einem hohen Anteil an dem Eiweißbaustein Glutamin unter die Nahrung gerührt werden. Seien Sie besonders vorsichtig bei der Zahn- und Mundpflege und benutzen Sie nur weiche Zahnbürsten oder Wattestäbchen.
  • Verzichten Sie auf Mundwasser mit Alkohol, sondern spülen Sie mit Salbei- oder Kamillentee. Beide Tees haben eine antiseptische Wirkung.
  • Bei sehr starken Schmerzen kann ein schmerzlinderndes Gel oder Spray angewendet werden, das allerdings auch das Geschmacksempfinden herabsetzt. Wenn die Mundschleimhaut ganz geschont werden muss, ist über eine kurzfristige Ernährung über eine Sonde oder eine parenterale Ernährung, also über die Vene, nachzudenken. Diese können Sie auch zu Hause bekommen (heimenterale- oder heimparenterale Ernährung).
  • Vermeiden Sie harte, krümelige und säurehaltige Nahrung (Knäckebrot, Zwieback, Salzstangen, Zitrusfrüchte etc.) 

Durchfall

  • Achten Sie bei Durchfall, genauso wie bei Erbrechen, auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Mineralstoffzufuhr! Trinken Sie stilles Wasser, stark verdünnte Saftschorlen, mineralstoffreiche Sportlergetränke, schwach gesüßte Tees (z. B. Fenchel-, Kümmel- und Kamillentee) und klare Brühe.
  • Probleme können schwer verdauliche, blähende Speisen (z. B. Kohlgemüse, Zwiebeln und Hülsenfrüchte) und fettreiche Zubereitungen (z. B. Frittiertes, Sahnetorten) bereiten.
  • Bananen sind gut bekömmlich, haben einen hohen Nährwert und viel Kalium. Sie können daher einen Durchfallbedingten Kaliumverlust ausgleichen.
  • Manchmal können auch Alkohol, koffeinhaltige Getränke und Getränke mit Kohlensäure oder Fruchtsäfte Beschwerden auslösen. Testen Sie die Verträglichkeit aus.
  • Mehrere geriebene Äpfel (mit Schale), über den Tag verteilt gegessen, wirken sich häufig mildernd aus.
  • Bewährte Hausmittel sind außerdem: Zwieback, Reis- oder Haferflockenschleim und gekochte Möhren.
  • Trinknahrungen gibt es auch ballaststofffrei.

Bei Entfernung der Speiseröhre

  • Da die Nahrungsaufnahme in dieser Situation, vor allem bei einer begleitenden Strahlentherapie, sehr schwierig ist, erhalten Patienten mit Speiseröhrenkrebs in den meisten Fällen eine sogenannte PEG-Sonde. So kann zumindest eine Grundversorgung mit Energie und Nährstoffen stattfinden.
  • So können sie sich nach der Behandlung in Ruhe dem Schlucktraining widmen und haben keinen Stress damit, trotz Schluckbeschwerden ausreichend essen zu müssen.
  • Sobald normales Essen und Trinken wieder möglich ist, beachten Sie folgende Tipps:
  • Essen Sie viele kleine Mahlzeiten.
  • Zu Beginn kann es notwendig sein, weiche oder passierte Kost zu essen. Sie können auch fertige Trinknahrungen, die cremeartig sind, dazu verwenden. Diese enthalten alle wichtigen Nährstoffe.
  • Vermeiden Sie langfaseriges Fleisch (Schweine- und Rindfleisch), scharf gewürzte, saure und süße Speisen.
  • Nehmen Sie Mahlzeiten nicht im Liegen ein, es kann dabei sonst zu Schluckstörungen kommen.
  • Bei gleichzeitiger Entfernung des Mageneingangs und Auftreten von Refluxbeschwerden ist es ratsam, das Kopfende des Bettes beim Schlafen um 10 bis 15 cm zu erhöhen (um zu verhindern, dass der Speisebrei wegen des fehlenden Schließmuskels zurückfließt). Besprechen Sie mit Ihrem Arzt eine vorsorgliche Einnahme von Säureblockern.
  • Wenn Sie Probleme beim Schlucken haben, schauen Sie in unser Kapitel Kau- und Schluckbeschwerden.

Operative Entfernung des Magens

Wenn der Magen aufgrund eines Tumors teilweise oder ganz entfernt wird, fehlt die Zwischenspeicherfunktion des Magens. Eine Stabilisierung des Gewichts ist oft besonders schwierig. Dies sind nur einige Folgen. Aufgrund der Schwierigkeit des Themas können hier nur allgemeine Hinweise gegeben werden. Sprechen Sie Ihre Ernährung auf jeden Fall mit Ihrem Arzt ab! Unter Umständen müssen Untersuchungen durchgeführt werden, um das Problem genau zu erfassen und ernährungstherapeutisch behandeln zu können.

  • Wenn Sie kurz nach dem Essen unter Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Stuhldrang, Schweißausbrüchen und Schwindel leiden, kann es sich um ein sogenanntes Frühdumping-Syndrom handeln. Sie sollten sich dann nach dem Essen einige Zeit hinlegen. Weitere Empfehlungen können Ihnen Ernährungsberater geben.
  • Auch ein Spätdumping-Syndrom kann auftreten. Dabei fällt der Blutzucker ca. zwei Stunden nach der Mahlzeit ab. Es kommt zu typischen Unterzuckerungsbeschwerden wie Heißhunger, Kaltschweißigkeit und Schwindel. Vermeiden Sie Speisen und Getränke, die viel Zucker enthalten, wenn Sie unter diesen Beschwerden leiden.
  • Essen Sie langsam und kauen Sie die Speisen gut.
  • Essen Sie sechs bis zehn Mahlzeiten pro Tag.
  • Trinken Sie möglichst nur kleine Mengen zu den Mahlzeiten. Planen Sie Getränke in ausreichendem zeitlichen Abstand, z. B. eine halbe Stunde vor oder nach der Mahlzeit, ein.
  • Essen Sie eiweißreich: Gut verträglich sind weißes Fleisch (Geflügel oder Fisch) und Milchprodukte.
  • Sollten Sie unter einer Milchzuckerunverträglichkeit leiden, was nach Magenentfernungen gelegentlich auftritt, wählen Sie laktosefreie Milchprodukte oder Ersatzprodukte, wie z. B. Sojamilch.
  • Als Zwischenmahlzeit gibt es auch eiweißreiche Trinknahrungen in der Apotheke.
  • Bevorzugen Sie komplexe Kohlenhydrate, möglichst in Form von ballaststoffreichen Vollkorngetreideprodukten, wie z. B. Vollkornbrot und -brötchen, Vollkornnudeln, Vollkornreis, Müsli.
  • Manche Speisen und Getränke werden erfahrungsgemäß nicht so gut vertragen. Dazu können heiße/kalte, stark geräucherte/gepökelte/gegrillte, sehr salzige Speisen und kohlensäurehaltige Getränke gehören.
  • Manche Obst- und Gemüsesorten können Blähungen hervorrufen (z. B. Trockenobst, Kohlsorten, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen). Meiden Sie diese in der Anfangsphase. Später können Sie die individuelle Verträglichkeit austesten.
  • Besonders gut verträglich sind Möhren, junge Erbsen, Kohlrabi, Blumenkohl, Brokkoli, Spargel, Spinat, Fenchel, Chinakohl, Champignons, Tomaten, Kopfsalat, Chicoree, Endivien und Rote Bete.
  • Bei Fettstühlen können Sie besonders MCT-Fette verwenden. Diese Fette sind besonders gut verträglich und als Margarine, Öl oder Brotaufstrich in Reformhäusern und Apotheken erhältlich. Auch die Verordnung von Pankreasenzymen kann ggf. sinnvoll sein.
  • Ihnen fehlt jetzt Magensäure. Magensäure tötet Keime ab, die Sie mit der Nahrung aufnehmen. Essen Sie jetzt möglichst frisch Gekochtes und halten Sie das Essen nicht zu lange warm. Lassen Sie Essensreste rasch abkühlen und bewahren sie dann verschlossen im Kühlschrank für max. einen Tag auf. Verzichten Sie auf Lebensmittel wie rohe Eier oder Mayonnaise, die leicht von Keimen befallen werden.

Operative (Teil-) Entfernung der Bauchspeicheldrüse

Je nachdem, welche Teile der Bauchspeicheldrüse betroffen sind, kann es zu einem Ausbleiben der Produktion an Verdauungsenzymen, zu einem Diabetes mellitus oder auch zu beidem kommen. Ist die Enzymproduktion gestört, wird es nötig, die fehlenden Verdauungsenzyme durch entsprechende Enzympräparate zu ersetzen, die direkt zu dem Essen eingenommen werden. Tritt ein Diabetes mellitus wegen fehlender Insulinproduktion auf, muss wie beim Diabetiker Insulin gespritzt werden. Aber auch die Ernährungsweise muss an die neue Situation angepasst werden. Hier ein paar allgemeine Tipps:

  • Essen Sie mindestens sechs Mahlzeiten täglich.
  • Achten Sie darauf, gründlich zu kauen. Lassen Sie sich Zeit beim Essen.
  • Achten Sie auf eine leicht verdauliche und gut bekömmliche Kost.
  • Wenn Sie zu jeder Mahlzeit Enzyme zur Unterstützung der Fettverdauung einnehmen, müssen Sie nicht auf eine fettarme Kost achten, sollten aber extrem fettreiche Zubereitungen meiden.
  • In manchen Fällen können MCT-Fette hilfreich sein. Diese Fette mit einem hohen Gehalt mittelkettiger Fettsäuren sind besonders gut verträglich und als Margarine, Öl oder Brotaufstrich in Reformhäusern und Apotheken erhältlich.
  • Essen Sie mehr Eiweiß als früher. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt oder einen Ernährungsberater. Es gibt Trinknahrungen, die für Ihre besondere Situation geeignet sind.

Sprechen Sie Ihre Ernährung nach einer teilweisen oder totalen Entfernung der Bauchspeicheldrüse auf jeden Fall mit einem Arzt ab! Dieser wird Ihnen bei Bedarf empfehlen, dass sie sich von einem Ernährungsberater individuell beraten lassen.

Darm-Operationen

Nach einer Operation am Darm müssen Sie Ihre Ernährung individuell anpassen, und eine regelmäßige Kontrolle Ihrer Genesung ist sehr wichtig. Deshalb empfehlen wir Ihnen, sich in einem auf Darmerkrankungen spezialisierten Zentrum behandeln oder von einem Ernährungsberater betreuen zu lassen.

Operation am Dünndarm

  • Wenn weniger als 25 Prozent des Dünndarms nach der OP verbleiben oder wenn wichtige Dünndarmabschnitte entfernt wurden, spricht man von einem Kurzdarmsyndrom. Dabei treten erhebliche Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auf, weswegen eine Ernährung über die Vene, die parenterale Ernährung für mehrere Wochen bis Monate ratsam ist. Sprechen Sie Ihre Ernährung auf jeden Fall mit einem Arzt ab! Parenterale Ernährung können Sie auch zu Hause bekommen (heimparenterale Ernährung). Eine zusätzliche „normale“ Ernährung ist in den meisten Fällen gewünscht.
  • Wenn der verbliebene Dünndarm sich an die Situation angepasst hat, kann ggf. eine Sondenkost verabreicht werden.
  • Später kann evtl. auch auf die Sondennahrung verzichtet werden. Es ist jedoch zu beachten, dass Sie mehr Energie brauchen als früher. Die Energiezufuhr kann wegen der verminderten Nährstoffaufnahme mehr als ein Viertel höher sein.

Operation am Dickdarm

  • Je nachdem, welcher Teil des Dickdarms entfernt wurde, ist seine hauptsächliche Funktion, den Speisebrei anzudicken, gestört. Richten Sie sich nach den Tipps für Durchfall.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung.

Bei künstlichem Darmausgang (Darmstoma)

  • Achten Sie bei Ihrer Ernährung darauf, dass das Stoma nicht blockiert wird, sich der Ausgang nicht entzündet und der Stuhlgang nicht zu dünn und nicht zu fest wird.
  • Möglichst bald nach der Operation hilft Ihnen in einer onkologischen Rehabilitationsklinik ein Ernährungsberater, die Ernährung anzupassen. Dazu ist meist das Führen eines Ernährungstagebuchs nötig, anhand dessen Sie nach einigen Wochen herausfinden, welche Speisen Sie gut oder weniger gut vertragen.
  • Stark blähende Speisen sollten eher gemieden werden.
  • Unangenehm kann die stärkere Geruchsentwicklung einiger Lebensmittel bei der Verdauung sein. Dies gilt z. B. für Eierspeisen, Kohlsorten, Zwiebeln, Knoblauch etc. Geruchshemmend wirken Speisen wie Spinat, grüner Salat, Petersilie, Preiselbeeren und Joghurt.
  • Stark säurehaltige Speisen und Getränke können zu Reizungen um das Stoma herum führen.

Häufige Fragen

Welche Vorteile bringt mir die Ernährungstherapie?

Eine gute Nährstoffversorgung ist die Voraussetzung dafür, dass Sie Ihre Krebstherapie gut vertragen. Gut ernährte Krebspatienten fühlen sich auch wohler, haben weniger mit Müdigkeit zu tun, verlieren weniger Muskeln und sind dann leistungsfähiger. Das wirkt sich auf die Prognose der Erkrankung aus: es gibt weniger Komplikationen im Verlauf der Krankheit. Die Ernährungstherapie sorgt für eine ausreichende Nährstoffversorgung. Sie umfasst zahlreiche Möglichkeiten – angefangen von Ernährungsberatung bis hin zur Ernährung über die Vene.

Was verursacht meine Appetitlosigkeit und was kann ich dagegen tun?

Abgesehen davon, dass Appetitverlust häufig als Nebenwirkung von Chemo- und Strahlentherapie auftritt, gibt es weitere Gründe dafür, z. B.: Geschmacksveränderungen, Mundtrockenheit, Entzündungen der Mundschleimhaut, Schmerzen, Übelkeit, aber auch psychische Gründe (Abneigungen gegenüber bestimmter Lebensmitteln, Ängste, Depressionen). Schauen Sie in die Rubrik "Tipps für den Alltag", die Ihnen wertvolle Anregungen zum Umgang mit Appetitlosigkeit aufzeigt. Führt Ihre anhaltende Appetitlosigkeit dazu, dass Sie zu viel abnehmen, dann sollten Sie die Chancen einer professionellen Ernährungstherapie nutzen – mehr dazu hier. Sprechen Sie in jedem Fall Ihren Arzt an.

Alles schmeckt anders. Woran liegt das?

Manche Chemotherapien verursachen eine Geschmacksveränderung, die häufig als unangenehm „metallisch“ beschrieben wird. Ebenso kann Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich zu Geschmacksverlust oder „pappigem“ Geschmacksempfinden führen. Außerdem berichten manche Betroffene über Abneigungen gegen Fleisch und Wurst. Diese Geschmacksbeeinträchtigungen bilden sich im Lauf der Zeit wieder zurück. Wie Sie mit Geschmacksveränderungen umgehen können, zeigen Ihnen folgende Tipps. Fragen Sie am besten auch Ihren Arzt.

Gibt es eine „Krebsdiät“ und kann man Krebs durch Fasten aushungern?

Wissenschaftlich ist es nicht erwiesen, dass sogenannte „Krebsdiäten“ das Tumorwachstum verhindern, verlangsamen oder einen Rückfall vorbeugen lassen. Durch die größtenteils einseitige Ernährung ist jedoch die Gefahr groß, dass Ernährungsdefizite entstehen können. Von allen Hungerdiäten muss dringend abgeraten werden, da dadurch der gesamte Organismus (inklusive Immunsystem) noch zusätzlich zur schon bestehenden Belastung durch die Erkrankung geschwächt wird. Stärken Sie Ihr Immunsystem also durch eine ausreichende Nährstoffversorgung: Ein guter Ernährungszustand stärkt die Abwehrkräfte, fördert die Lebensqualität und kann dafür sorgen, dass Sie Ihre Therapie besser vertragen. Auch Krankenhausaufenthalte können kürzer sein.

Bei drohenden oder bereits bestehenden Ernährungsdefiziten ist eine Ernährungstherapie von hohem Nutzen. Sie verbessert bei Tumorpatienten nicht nur die Lebensqualität, sondern sorgt auch für eine bessere Therapieverträglichkeit. Ein guter Ernährungszustand verringert außerdem Komplikationen bei der Behandlung und fördert den Heilungsprozess. Um herauszufinden, wie Ihr Ernährungszustand ist, führen Sie am besten zunächst einen einfachen Selbsttest durch. Sollten die Testergebnisse eine Abweichung vom Normalstatus anzeigen, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder einen Ernährungsberater!

Wo finde ich Hilfe bei psychischen und sozialen Problemen?

Die Diagnose Krebs ist häufig ein großer Schock. Erste Hilfe bieten die Krebsberatungsstellen der Kliniken. Über die Deutsche Krebshilfe bekommen Sie Anschriften von Psychosozialen Krebsberatungsstellen. Hilfe bei der Bewältigung der Probleme, die eine Krebserkrankung mit sich bringt, bieten auch die zahlreichen Selbsthilfegruppen, die es in Deutschland gibt. Adressen von seriösen Selbsthilfegruppen erhalten Sie ebenso von der Deutschen Krebshilfe (www.krebshilfe.de). Weitere Hilfe finden Sie auch bei der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (DAPO) e.V. (www.dapo-ev.de) oder dem Psychotherapie-Informationsdienst (PID; www.psychotherapiesuche.de).

Fresenius Kabi Deutschland GmbH © May 2020