Ernährung bei Erkrankungen

Ernährung

bei Erkrankungen

Kau- und Schluckstörungen

Sie verschlucken sich häufig und haben oft das Gefühl, dass Nahrung im Hals stecken bleibt? Dies fühlt sich dann häufig wie ein Kloß im Hals an. Ihre Stimme ist nach dem Essen oft belegt oder Sie müssen sich ständig räuspern und wissen keine Erklärung dafür? Schluckstörungen können sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen. Manchmal ist auch gar nicht ganz klar, dass es sich überhaupt um Schluckbeschwerden handelt.

Die Zeichen einer Schluckstörung (Dysphagie) sind nicht immer ganz offensichtlich. Bei 40 bis 60 Prozent der Patienten fehlen die Symptome oder sie sind untypisch wie eine belegte Stimme, häufiges Räuspern und Husten, zahlreiche Atemwegsinfekte oder Erstickungsanfälle.

Sie können selbst viel für sich tun. Aktiv werden und handeln – das bedeutet für Sie, Ihre Ernährung an Ihre Kau- oder Schluckstörung anzupassen und damit die Angst vor dem Essen und Trinken zu verlieren. So können Sie Ernährungsdefizite verhindern und für eine ausreichende Trinkmenge sorgen. Das beugt einer ungewollten Gewichtsabnahme vor.

Mit Ihren Schluckbeschwerden sind Sie nicht allein. Jeder fünfte über 55jährige hat mit Schluckstörungen zu tun. Und das Risiko steigt mit dem Alter: Etwa vier von zehn älteren Menschen ab etwa 70 Jahren mit alterstypischen Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen) haben Schluckstörungen. Jeder Zweite, der einen Schlaganfall erlitten hat, muss zu Beginn mit Schluckstörungen rechnen. Im weiteren Verlauf ist noch jeder vierte Schlaganfallpatient davon betroffen. Ganz typisch für Schluckbeschwerden ist auch die Erkrankung Morbus Parkinson: Jeder zweite Parkinson-Patient hat damit zu tun.

Mangelernährung

Es gibt noch weitere Erkrankungen, die zu Schluckstörungen führen können. Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine Erkrankung, bei der etwa die Hälfte der Patienten schwer oder gar nicht schlucken können. Bei einem Schädel-Hirn-Trauma sind in der Frühphase sieben von zehn Patienten davon betroffen. Jeder vierte Hirn-Tumorpatient muss mit Schluckbeschwerden rechnen. Mehr als 15 Prozent der Querschnittsgelähmten hat auch Schluckstörungen. Beinahe jeder zweite Patient (45 %) mit einer Demenz ist ebenso betroffen. Eher selten treten Schluckstörungen bei multipler Sklerose (MS) auf.

Doch wie kommt es überhaupt zu Schluckstörungen?

Schlucken wird im Gehirn koordiniert. Am Schluckvorgang sind bis zu 25 Muskelpaare beteiligt – eine schwierige und störanfällige Angelegenheit. Häufig ist bei einer Schluckstörung die Steuerung durch die Nerven gestört, z. B. nach einem Schlaganfall, infolge einer degenerativen Erkrankung, durch Traumen oder Tumoren in entsprechenden Hirnarealen. Experten sprechen von einer neurogenen Dysphagie. Seltener sind Entzündungen, Traumen oder Tumoren im Bereich der Schluckorgane (Mund bis Speiseröhre) für die Schluckstörung verantwortlich. Manchmal können auch seelisch bedingte Störungen Ursache der Beschwerden sein.

Die frühzeitige Behandlung der Schluckstörung ist deshalb so wichtig, weil die Beschwerden zu einer verminderten Flüssigkeitszufuhr und Nahrungsaufnahme führen können. Dehydratation, Nährstoffdefizite und Gewichtsverlust wären die Folgen. Eine gefürchtete Komplikation einer Schluckstörung ist außerdem das Verschlucken von Speisestücken, Flüssigkeit oder Speichel (Aspiration) mit einer nachfolgenden Lungenentzündung.

Sie können viel für Ihre Nährstoffversorgung tun. Wenn Sie alle Nährstoffe in einer ausreichenden Menge aufnehmen, stärkt das Ihre Muskulatur, und Ihre Schluckbeschwerden bessern sich. Anders herum ist es auch so, dass Sie sich besser mit Nährstoffen versorgen können, je mehr sich Ihre Schluckstörungen verbessern. Es gibt also einen starken Zusammenhang zwischen der Nährstoffversorgung, besonders mit Energie und Eiweiß, und Schluckstörungen. Mit der Ernährungstherapie können Nährstoffdefizite ausgeglichen werden – eine Voraussetzung für eine gute Schlucktherapie.

So beeinflussen eine Kau- und Schluckstörung und Ihr Ernährungsstatus sich gegenseitig

Schlucken ist eine Sache, die der Körper ganz automatisch ablaufen lässt – täglich bis zu 2.000 Mal. Das Schlucken läuft meist unbewusst ab und wird gar nicht wahrgenommen, obwohl es sich dabei um einen sehr komplexen Vorgang handelt. Dieser läuft in vier exakt aufeinander abgestimmten Phasen ab: Zuerst wird die Nahrung zerkleinert und langsam in den Rachen transportiert. Die Zunge löst dann den Schluckreflex aus. Bevor der Speisebrei durch den Rachen transportiert wird, schließt der Kehldeckel die Luftröhre. Durch diesen Verschlussmechanismus gelangt die Nahrung in die Speiseröhre für den weiteren Transport, und ein Fehlleiten von Speisestücken oder Flüssigkeit in die Luftröhre wird verhindert.

Störungen des Schluckens - "Dysphagie"

Jede Bewegungseinschränkung, z. B. der Lippen, der Zunge, des Kiefers, des Gaumensegels oder der Rachen- und Kehlkopfmuskeln, kann Beschwerden beim Kauen und Schlucken verursachen. Eine Ursache können Sensibilitätsstörungen sein. Das bedeutet, dass die Nerven nicht mehr empfindlich genug auf die Reize reagieren. Eine andere Störung ist eine schlechte Koordination der Schluckbewegungen.

Die Folgen können ganz vielfältig sein. Beispielsweise kann die Nahrung schlecht kontrolliert werden oder sie bleibt zu lange im Mund. Manchmal gleitet sie unkontrolliert in den Rachen oder der Transport ist verlangsamt. Oft ist auch die Luftröhre nicht richtig verschlossen und die Speiseröhre nicht richtig geöffnet. Der Speisebrei kann dann im Rachen hängen bleiben. Sehr häufig sind in dem Fall die Schutzreflexe wie Husten oder Räuspern ineffektiv. Sie führen nicht zum gewünschten Erfolg. In manchen Fällen gelangt die Nahrung oder auch Flüssigkeit in die Luftröhre (Aspiration). Sie bekommen sprichwörtlich Ihr Essen in den falschen Hals. Normalerweise hat der Körper einen guten Schutzmechanismus und die Substanz wird durch Husten wieder aus den Atemwegen herausbefördert. Leider ist dies nicht immer erfolgreich. Verbleibt das Verschluckte in der Lunge, kann dies zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen

Das Erkennen einer Schluckstörung ist eine schwierige Sache, denn die Zeichen sind oft ganz unklar. Im Verlauf der Erkrankung kommt es z. B. oft zu einem Gewichtsverlust und Zeichen einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr (z. B. Verstopfung, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Verwirrtheitszustände). Manche Patienten haben eine Entzündung der Bronchien (Bronchitis) und bekommen plötzliches Fieber ohne offensichtlichen Grund. Auch Lungenentzündungen folgen häufig.

Was können Sie tun? Ganz wichtig ist es für Sie, Ihren Ernährungszustand zu verbessern. Eine gute Energie- und Nährstoffversorgung ist entscheidend für den Erhalt Ihrer Muskulatur. Das ist sehr wichtig, um unter anderem die an dem Schluckvorgang beteiligten Muskeln zu stärken. Bei einer mangelnden Versorgung kommt es aber auch zu einer Schwächung der Skelettmuskulatur mit weitreichenden Folgen: Sie sind weniger mobil, haben wenig Kraft für die alltäglichen Verrichtungen und die Gefahr für Sie zu stürzen ist höher. Wenn Nährstoffe fehlen, funktioniert außerdem die Immunabwehr nicht mehr so gut. Häufigere Infekte sind die Folge, von denen Sie sich nur langsam wieder erholen.

Anzeichen einer Schluckstörung

  • Husten beim Essen
  • Verschlucken von Flüssigkeiten
  • Schwierigkeiten beim Tablettenschlucken
  • Probleme mit fester Nahrung
  • Schwierigkeiten bei krümeliger/faseriger Nahrung
  • Probleme beim Kauen
  • Mundtrockenheit
  • Nahrung klebt am Gaumen
  • Kloßgefühl im Hals
  • Schmerzen/Brennen im Hals
  • Biss auf die Zunge/Wangen
  • Schluckbeschwerden bei Nahrungsaufnahme
  • Mühe beim Verschlucken eines Bisses
  • Viel Flüssigkeit wird benötigt, um einen Biss zu schlucken
  • Speisereste in der Wange
  • Probleme, die Reste mit der Zunge herauszuholen
  • Anstrengung bei Mahlzeiten
  • Angst vorm Verschlucken
  • Gewichtsabnahme in letzter Zeit
  • Vermeidung von Essen in Gesellschaft

Ernährungsempfehlungen

Ein guter Ernährungszustand ist wichtig für den Erfolg einer Schlucktherapie. Wollen Sie Ihre Chancen auf besseres Kauen und Schlucken erhöhen? Gerade bei Kau- und Schluckstörungen ist die Ernährungstherapie ganz wichtig, weil kleine Veränderungen viel bewirken können: So kann allein die Veränderung der Textur sehr hilfreich sein. Meist können bei Schluckstörungen feste, krümelige oder klebrige Speisen schlecht geschluckt werden. Auch Flüssigkeiten und gemischte Konsistenzen können Probleme bereiten. Deswegen wird oft empfohlen, die Nahrung zu pürieren. Verkleinern Sie die Mengen, die Sie schlucken, und essen Sie mit einem Teelöffel. Säuerliche Speisen regen den Speichelfluss an und sind deshalb besonders gut geeignet. Weitere Anregungen finden Sie in der Rubrik "Tipps für den Alltag".

Bei Kau- und Schluckstörungen ist es ganz wichtig, auf eine ausreichende Eiweiß- und Energieversorgung zu achten. Zudem sollten Sie unbedingt genügend trinken. 

Die Ernährungstherapie basiert immer auf einer Beratung. Gerade zu Beginn und bei einer schweren Schluckstörung – wenn Sie nicht genug oder nicht sicher genug essen können – kann die frühzeitige Sondennahrung sehr hilfreich sein. Die Sondenernährung versorgt Sie in dieser Zeit sicher mit Energie, allen wichtigen Nährstoffen und Flüssigkeit. Sie können sich dann in Ruhe und ohne den Druck, ausreichend Nahrung aufnehmen zu müssen, dem Schlucktraining widmen.

Eine gute Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen ist auch wichtig, wenn Sie sich oral ernähren können. Dabei sollten Sie am Anfang auf homogene und gleitfähige Speisen achten. Vermeiden Sie Klebriges, Bröseliges, Faseriges und mischen Sie möglichst die Konsistenzen nicht. Ergänzen Sie Ihren Speiseplan mit Trinknahrung. Sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, die Sie brauchen, und ist in vielen Geschmacksrichtungen erhältlich. Suchen Sie sich einen ruhigen Essplatz und sitzen Sie aufrecht. Nehmen Sie sich Zeit für das Essen.

Wenn Sie Flüssigkeiten andicken möchten, um sie besser schlucken zu können, verwenden Sie doch einmal Andickungspulver. Es enthält Stärke und Maltodextrin, erhöht also auch Ihre Energiezufuhr. Das Pulver bindet die Flüssigkeit und gibt sie im Körper auch wieder ab. Sie haben also keine Flüssigkeitsverluste. Die Zubereitung geht schnell und einfach. Das Pulver ist auch in warmen Speisen anwendbar und bleibt nach dem Erwärmen stabil. Durch die cremige Konsistenz, die Sie mit Andickungspulver erzielen können, bleibt die Nahrung länger auf der Zunge. Das spricht Ihre Geschmacksnerven besser an, kann aber auch dazu führen, dass bittere Speisen und Getränke Ihnen zu intensiv schmecken. Mit etwas Zucker können Sie gegensteuern. Weitere praktische Tipps zum Andickungspulver finden Sie in der Rubrik "Tipps für den Alltag".

Sondennahrung kann gut mit gewohnter Kost kombiniert werden. Eines sollten Sie allerdings wissen: Auch Sondennahrung kann aspiriert werden. Dies kann beispielsweise passieren, wenn die Sondenspitze im Magen liegt und größere Mengen Sondennahrung auf einmal verabreicht werden. Ist der Magen dann stark gefüllt, kann es zum Hochsteigen des Mageninhaltes in die Speiseröhre kommen (Reflux). Kann dies aufgrund der Schluckstörung nicht wieder herunterbefördert werden, ist es möglich, dass gewisse Mengen der Sondennahrung in die Luftröhre gelangen. Aber auch in diesem Fall kann Abhilfe geschaffen werden:

  • Eine langsame und kontinuierliche Verabreichung der Sondennahrung per Ernährungspumpe führt dazu, dass der Magen nicht übermäßig gefüllt ist. 
  • Eine leichte Hochlagerung von ca. 45° beim Liegen bietet zusätzlich einen gewissen Schutz vor Reflux. 
  • Eine weitere Möglichkeit ist die Verlagerung der Sondenspitze aus dem Magen in den oberen Dünndarm. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, über die Sie Ihr Arzt informieren kann.
  • Falls diese Maßnahmen zur Abhilfe nicht zum Erfolg führen bzw. nicht umsetzbar sind, besteht die Möglichkeit der parenteralen Ernährung, die ebenfalls zu Hause durchgeführt werden kann (heimparenterale Ernährung).

Tipps für den Alltag

Die Ernährung bietet einen guten Ansatzpunkt, aktiv den eigenen Gesundheitszustand – oder auch den Ihres Angehörigen – zu verbessern. Hier finden Sie hilfreiche Tipps, wie Sie dies im Alltag umsetzen können. Bitte sprechen Sie vorher alle Maßnahmen mit Ihrem Arzt, einem Logopäden oder einem Ernährungsberater ab.

  • Achten Sie bei allen Speisen auf die richtige Konsistenz. Bei Kau- und Schluckstörungen wird meist cremige Nahrung am besten vertragen. Welche Konsistenz für Sie am besten geeignet ist, hängt auch davon ab, wie ausgeprägt Ihre Schluckstörungen sind.
  • Bei leichten Beschwerden beginnen Sie mit weicher Kost. Wenn Sie diese gut essen können, folgt überwiegend feste Kost, bis Sie wieder alles außer Körnern, Kruste und Fasern essen können.
  • Bei mittelschweren Beschwerden starten Sie mit pürierter, dickbreiiger Kost und gehen danach zu sehr weicher Nahrung über.
  • Schwere Schluckstörungen erfordern zunächst eine dünnbreiige passierte Kost, die dann durch dickbreiige abgelöst werden kann.
  • Unter weicher Kost wird beispielsweise Weißbrot oder Brot ohne Rinde verstanden, Streichauflagen wie Honig, Konfitüre oder Leberwurst, Suppen, weiches Gemüse und Kartoffeln oder Nudeln.
  • Überwiegend feste Kost bedeutet, dass Sie wieder Brot mit Rinde essen können, weiches Fleisch oder Fisch ohne Gräten, Kuchen, Torte und Gebäck. Dicken Sie Ihre Getränke gegebenenfalls noch etwas an.
  • Pürierte dünnbreiige Kost: Darunter werden beispielsweise Cremesuppen verstanden, Früchtebrei und angedickte Getränke.
  • Dickbreiige Kost ist eine angedickte Suppe, süße Nachspeisen wie Pudding, Quark, Joghurt oder Eis. Auch angedickte Getränke gehören dazu.
  • Sprechen Sie darüber am besten mit einem Logopäden oder Ernährungsberater.

Folgende Lebensmittel sind am Anfang bei leichten Kau- und Schluckstörungen gut geeignet:

  • Geflügel, feine Bratwurst, Würstchen, Leber, Leberkäse, Frikasseezubereitung
  • Sehr fein geschnittene Wurst ohne stückige Zusätze, Frischwurst, Pasteten, Tee- oder Leberwurst 
  • Gekochte oder gedünstete Fischfilets mit weichem Fleisch (Achtung: Kontrollieren Sie den Fisch auf Gräten!) 
  • Käse, aber keinen Käse, der am Gaumen klebt (z. B. Schmelzkäse) 
  • Frisch zubereitetes und feuchtes Rührei 
  • Cremes, Fruchtmus, glatter Pudding, Eis, Gelee 
  • Tofu 
  • Toastbrot, Graubrot ohne Rinde, abgelagertes Weißbrot, Löffelbiskuits, Butterkekse, gut ausgequollene Nudeln, Grieß, Schmelzflocken 
  • Salzkartoffeln, Püree 
  • Kohlrabi, Möhren, Blumenkohl, Spinat, Sellerie, Gurkenfleisch ohne Kerne, Tomatenfleisch ohne Haut und ohne Kerne, Zucchini, Wirsing, Avocado 
  • Apfel, Birne, Pfirsich ohne Haut, Nektarine, Aprikosenkompott 
  • Milch, Buttermilch, Milchmix, Kefir, Joghurt und Quarkspeisen fein verrührt mit geeigneten Obstsorten (s. o.) ohne Stückchen 
  • Süß-säuerliche und salzige Gewürze

Flüssigkeiten können Sie mit geschmacksneutralem Pulver andicken. Es enthält modifizierte Maisstärke und Maltodextrin. 

  • Mit einem Esslöffel des Pulvers (4,5 g) in einer Tasse (100 ml) Flüssigkeit erhalten Sie eine sirupartige Konsistenz. Eineinhalb Esslöffel ergeben bei der gleichen Flüssigkeitsmenge eine honigartige Flüssigkeit. Zwei Esslöffel führen zu einem cremigen Produkt. 
  • Rühren Sie das Pulver mit einem Schneebesen oder einer Gabel zügig in die Flüssigkeit oder die passierte Speise ein. Nach einer Minute ist die Konsistenz erreicht und bleibt auch bei längerem Stehen erhalten. Ist Ihnen die flüssige Speise noch nicht zäh genug, können Sie einfach noch etwas Pulver dazugeben. 
  • Das Andicken funktioniert bei kalten und warmen Speisen bis 80 Grad Celsius. Das Pulver löst sich klümpchenfrei. 
  • Verdünnen Sie das Pulver bei bitteren Speisen und Getränken zunächst mit etwas Wasser oder Milch und geben Sie etwas Zucker dazu. Besonders wenn Sie Kaffee andicken möchten, kann dies den Bittergeschmack etwas dämpfen, der bei cremiger Konsistenz stärker empfunden wird. Schließlich bleibt die Nahrung länger auf der Zunge.

 

  • Bevorzugen Sie säuerliche Nahrungsmittel. Säuerliches fördert die Speichelbildung und erleichtert den Transport der Nahrung.
  • Essen Sie eher „feuchte“ Kost. Die lässt sich leichter schlucken.
  • Kühle oder sehr warme Speisen werden besser wahrgenommen und lassen sich deshalb besser schlucken als lauwarme.
  • Nehmen Sie zur Abwechslung einmal Trinknahrung in Ihren Speiseplan auf. Sie liefert Ihnen viel Eiweiß und Energie.

Beachten Sie auch Folgendes beim Essen:

  • Verwenden Sie bei Bedarf Esshilfen wie Antirutschfolie, spezielle Trinkbecher, Warmhalteteller, Griffverdickungen oder einen Strohhalm. 
  • Essen Sie am besten mit dem Teelöffel. Laut Untersuchungen wird die Nahrungsmenge von 5 ml (gehäufter Teelöffel) am besten geschluckt. 
  • Nehmen Sie immer nur eine kleine Speisemenge in den Mund und trinken Sie in kleinen Schlucken. Das lässt sich besser kontrollieren.
  • Setzen Sie sich am Tisch gerade und aufrecht hin. Wenn Sie den Rücken anlehnen müssen, unterstützen Sie ihn durch eine Rückenstütze, z. B. ein Kissen. Halten Sie die Arme leicht angewinkelt und die Schultern leicht nach vorn gebeugt, strecken Sie den Nacken und beugen Sie den Kopf leicht.
  • Schalten Sie Radio und Fernseher aus, damit Sie nicht abgelenkt werden. Wenn Sie abgelenkt sind, können Sie sich eher verschlucken.
  • Sprechen Sie nicht während des Kauens.
  • Lassen Sie sich Zeit beim Essen. Machen Sie nach zehn Schlucken eine kleine Pause.
  • Trinken Sie mit einem Strohhalm oder wählen Sie das richtige Trinkgefäß für sich aus.
  • Achten Sie auf eine gut sitzende Zahnprothese und lassen Sie ggf. Ihren Zahnstatus prüfen.
  • Denken Sie nach den Mahlzeiten an die Mundpflege.
  • Wenn Sie Tabletten einnehmen müssen, fragen Sie Ihren Apotheker, ob Sie sie mörsern dürfen. Kleine Mörser können Sie in der Apotheke oder Drogerie kaufen.

Was Sie noch tun können zur Verbesserung der Schluckfähigkeit:

Machen Sie Zungen- und Lippenübungen: Strecken Sie z. B. die Zunge rein und raus, bewegen Sie sie hoch und runter, oder lecken Sie die Lippen und die Zähne ab. Drücken Sie die Zunge auch einmal gegen die Wangen oder lassen Sie die Zunge schnalzen. Spitzen Sie die Lippen oder ziehen Sie sie breit. Drücken Sie sie dann zusammen, ziehen sie nach innen oder pfeifen Sie Lieder.

  • Trainieren Sie Ihren Kiefer: Machen Sie den Mund ganz weit auf und wieder zu, beißen Sie mit den Zähnen aufeinander und verschieben Sie die Kiefer nach rechts oder links.
  • Üben Sie bestimmte Wörter zu sprechen, am besten solche mit den Buchstaben T, K oder P
  • Üben Sie auch das Pusten.

Häufige Fragen

Welche Vorteile bringt mir die Ernährungstherapie?

Die frühzeitige Ernährungstherapie ist bei Schluckstörungen ganz wichtig: Sie liefert Ihnen von Beginn an alle Nährstoffe, die Sie benötigen. Dadurch kommen Sie schneller auf die Beine und die Schluckfunktion kann sich verbessern. Ist die Nährstoff- und Flüssigkeitsversorgung z. B. durch eine Sondenernährung gewährleistet, können Sie sich in Ruhe und ohne den Stress, ausreichend essen und trinken zu müssen, auf das Schlucktraining konzentrieren. Schlucken und Nährstoffversorgung hängen eng zusammen. Die Ernährungstherapie ist also eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Schlucktherapie.

Wie kann ich eine Schluckstörung erkennen?

Eine Schluckstörung ist nicht immer eindeutig erkennbar. Indirekte Anzeichen können ein Gewichtsverlust und Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels sein. Häufige Bronchitis, plötzliches Fieber und Lungenentzündungen deuten auch darauf hin. Ganz typisch ist es, wenn Sie nach dem Essen oft husten müssen oder sich beim Trinken leicht verschlucken. Wenn Sie Probleme mit der Tabletteneinnahme haben, ist das auch ein Hinweis. Schwierigkeiten mit faseriger oder krümeliger Nahrung, Probleme beim Kauen und Mundtrockenheit sind ebenso ein Zeichen. Bleibt Ihnen Nahrung oft am Gaumen kleben? Verspüren Sie ein Kloßgefühl im Hals? Auch das sind typische Anzeichen. Wenn Sie sich oft auf Zunge oder Wange beißen oder Speisereste in der Wange verbleiben, kann das auf Schluckstörungen hindeuten. Selbst wenn Ihnen nur wenige dieser Symptome auffallen, kann dies bereits ein Hinweis auf eine Schluckstörung sein.

Was sind die Ursachen einer Schluckstörung?

Die Ursachen können ganz vielfältig sein. Meist steckt eine Erkrankung der Nerven, wie z.B. bei einem Schlaganfall, dahinter. Aber auch Erkrankungen im Hals-, Nasen- oder Ohrenbereich können zu Schluckstörungen führen. Mit zunehmendem Alter kommt es immer häufiger zu solchen Beschwerden.

Ist eine Schluckstörung heilbar?

Schluckstörungen können geheilt oder zumindest so verbessert werden, dass Sie mit wenigen Einschränkungen gut damit leben können. Dafür ist es aber ganz wichtig, dass Sie frühzeitig mit einer Therapie beginnen und für ausreichend Nährstoffe sorgen. Eine Schlucktherapie wird meist von einem Logopäden durchgeführt. Dabei wird mit gezielten Reizen, z. B. Kälte oder Berührung, versucht, den Schluckreflex auszulösen. Auch Muskeltraining, Zungen- und Sprechübungen gehören zum Programm. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Eine gute Unterstützung ist auch eine früh begonnene Ernährungstherapie. Zu Beginn ist oft eine Sondenernährung erforderlich, um genügend Nährstoffe zu bekommen. Je nach Schluckfähigkeit ist auch eine Trinknahrung, die alle wichtigen Nährstoffe enthält, sehr empfehlenswert. Lassen Sie sich wegen einer Ernährungstherapie am besten von Ihrem Arzt beraten.

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