Ernährung bei Erkrankungen

Ernährung

bei Erkrankungen

Operationen

Wenn eine größere Operation ansteht, gehen den Betroffenen und ihren Angehörigen viele Fragen durch den Kopf: Wie wird die Operation verlaufen? Wie schnell bin ich danach wieder fit? Wann kann ich wieder normal essen und trinken? Diese Frage ist besonders für diejenigen, bei denen eine größere Bauchoperation geplant ist, von großer Bedeutung. Viele glauben, dass sie sowohl vor als auch nach einer solchen Operation längere Zeit nichts essen dürfen. Aber es hat sich in der chirurgischen Medizin in den letzten Jahren einiges grundlegend geändert.

Eine Vielzahl von Studien hat nachgewiesen, dass der Ernährungszustand der Operationspatienten einen Einfluss darauf hat, ob sich bei ihnen Komplikationen ergeben, wie lange sie in der Klinik bleiben müssen und wie groß ihre Überlebenschancen sind. Seitdem wird der Ernährung rund um den Zeitpunkt der Operation, der perioperativen Ernährung, eine viel größere Bedeutung beigemessen.

Darum ist es bei großen Operationen sinnvoll, sich schon vorher Gedanken über die Ernährung vor und nach der Operation zu machen. Besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt, wie eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung über den gesamten Verlauf der Therapie gesichert werden kann.

Mangelernährung

So können eine Operation und Ihr Ernährungsstatus sich gegenseitig beeinflussen

Eine Operation bedeutet Stress für Ihren Körper. Das liegt nicht nur an der Verletzung von Haut und anderem Gewebe. Auch längere Zeiten, in denen Sie nicht trinken und essen können, stellen Stress dar. Solche Phasen sollten deshalb – wenn möglich – vermieden werden.

Bei einer Operation wird auch das Immunsystem in Alarmbereitschaft versetzt. Es benötigt dann viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe, um gut zu funktionieren. Jede Operation birgt wegen der Operationswunde und des beanspruchten Immunsystems das Risiko einer Infektion, besonders wenn Sie nicht ausreichend Nährstoffe bekommen und dadurch Ihre Immunabwehr geschwächt ist.

Eine gute Nährstoffversorgung nach der Operation sorgt dafür, dass weniger Muskeleiweiß abgebaut wird. Patienten fühlen sich dann meist wohler, es gibt seltener Komplikationen.

Ernährungsempfehlungen

Ein guter Ernährungszustand schon vor der Operation ist eine gute Voraussetzung für Ihre schnelle Erholung und weniger Komplikationen nach dem Eingriff.

Sie befinden sich noch vor einer Operation?

Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist eine Voraussetzung für eine gute Wundheilung. Außerdem vermeiden Sie damit Komplikationen wie Infektionen. Deshalb ist es wichtig, dass die Nährstoffspeicher vor einer Operation gut gefüllt sind. Besonders bedeutend ist dies bei Personen, die aufgrund ihrer Krankheit schon vor der Operation unter Ernährungsproblemen leiden und an Gewicht verloren haben. In manchen Fällen kann es sogar besser sein, eine Operation zu verschieben und zunächst mit einer Ernährungstherapie zu beginnen, um die Nährstoffdepots wieder aufzufüllen.

Betroffenen mit unzureichender Nährstoffaufnahme und Gewichtsverlust empfiehlt die europäische Fachgesellschaft ESPEN, schon mindestens zehn Tage vor einer größeren Operation mit zusätzlicher Trinknahrung zu beginnen. Laut Untersuchungen treten dann seltener Komplikationen auf.

Gut zu wissen:

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft sind längere Nüchternphasen vor einer Operation nicht mehr notwendig. In vielen chirurgischen Zentren ist eine Aufnahme von klaren glukosehaltigen Flüssigkeiten bis ca. zwei Stunden vor der Einleitung der Narkose erlaubt. Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen hierzu genaue Anweisungen geben.

Sie haben die Operation schon hinter sich?

Nach der Operation ist das Ziel, so schnell wie möglich mit der Ernährung zu starten. Auch bei großen Eingriffen kann in der Regel schon wenige Stunden nach der Operation mit der Ernährung begonnen werden. Nicht immer ist es möglich, direkt mit einem normalen Kostaufbau zu beginnen. Um den Darm trotzdem frühzeitig mit kleinen Nahrungsmengen zu versorgen, wird häufig zunächst mit einer Ernährung über eine Sonde begonnen. Diese Vorgehensweise wird auch als „minimale enterale Ernährung“ bezeichnet. Sie verhindert, dass sich die Darmzellen aufgrund eines fehlenden Nährstoffangebots zurückbilden und es zu Funktionsstörungen des Darms kommt.

An dieser Stelle ist es wichtig zu wissen, dass zu den Aufgaben des Darms nicht nur die Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen gehört. Der Darm ist das größte Immunorgan unseres Körpers. Er muss dafür Sorge tragen, dass schädliche Substanzen (wie Bakterien, Viren und Gifte) nicht in den Körper gelangen. Kann er diese Funktion aufgrund mangelnder Nährstoffzufuhr nicht erfüllen, ist ein Übertritt beispielsweise von schädlichen Keimen über die Darmschleimhaut in das Blutgefäßsystem möglich. Hierbei handelt es sich um eine gefürchtete Komplikation nach großen operativen Eingriffen.

In der Anfangsphase werden nur geringe Zufuhrmengen von 5-10 ml/h über die Sonde verabreicht und die Menge je nach Situation langsam gesteigert. Da anfangs eine ausreichende Nährstoffversorgung mittels Sonde in dieser Situation nicht möglich ist, wird oft ergänzend eine parenterale Ernährung verabreicht.

Spezielle Ernährungsempfehlungen bei Krankheiten

Wenn es sich bei Ihnen um eine Krebserkrankung, eine Entfernung der Bauchspeicheldrüse oder um eine umfangreiche Darmoperation z. B. aufgrund eines Morbus Crohn handelt, dann haben wir spezielle Ernährungsempfehlungen unter der jeweiligen Erkrankung für Sie zusammengestellt.

Tipps für den Alltag

Die Ernährung bietet einen guten Ansatzpunkt, aktiv den eigenen Gesundheitszustand und die Genesung nach einer Operation zu verbessern. Hier finden Sie hilfreiche Tipps, wie Sie dies im Alltag umsetzen können. Bitte sprechen Sie vorher alle Maßnahmen mit Ihrem Arzt oder einem Ernährungsberater ab.

  • Denken Sie daran: Ihr Körper braucht jetzt viel Energie und Nährstoffe. In dieser Zeit ist es nicht gut, eine Hungerkur zu machen und an Gewicht zu verlieren.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Eiweißzufuhr.
  • Essen Sie leicht verdauliche Lebensmittel wie zartes Gemüse, Kartoffeln, Reis, Nudeln, säurearmes Obst, Fisch, Eier, mageres Fleisch, Milch- und Milchprodukte.
  • Bevorzugen Sie schonende Garverfahren wie Dünsten, Dämpfen und Garen im Schnellkochtopf oder in der Mikrowelle.
  • Wenn Sie Schwierigkeiten haben, ausreichend zu essen, bringen Sie Abwechslung ins Spiel und probieren Sie Trinknahrung aus. Diese ist eiweißreich und enthält alle Nährstoffe, die Sie brauchen.
  • Testen Sie Ihren Ernährungszustand und lassen Sie sich beraten.
  • Essen Sie viele kleine Mahlzeiten. Das belastet Sie nicht so und Sie nehmen mehr Energie auf.
  • Verwenden Sie Öle mit hochwertigen Omega-3-Fettsäuren (z. B. Rapsöl oder Leinöl).

Häufige Fragen

Welche Vorteile bringt mir die Ernährungstherapie?

Die Ernährungstherapie kann Sie bereits vor einer Operation in eine gute Ausgangsposition bringen. Wenn Sie gut mit allen Nährstoffen versorgt sind, ist Ihre Operation risikoärmer, sie fühlen sich wohler und kommen wieder schnell auf die Beine. Eine frühzeitige Nährstoffzufuhr nach der Operation unterstützt Sie bei der Erholung und kann dabei helfen, Ihren Krankenhausaufenthalt zu verkürzen.

Was kann ich vor einer Operation tun, um mich ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen?

Vor einer Operation sollten Sie auf eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr achten. Außerdem sollten Sie sich mit allen Vitaminen und Mineralstoffen versorgen, die Ihr Körper benötigt, um das Immunsystem zu stärken. Betroffene mit unzureichender Nährstoffaufnahme und Gewichtsverlust sollten mindestens zehn Tage vor der Operation mit der zusätzlichen Aufnahme von Trinknahrung beginnen.

Worauf sollte ich bei meiner Ernährung nach einer Operation achten?

Nach einer Operation sollten Sie so früh wie möglich wieder Nahrung zu sich nehmen, um den Darm wieder an seine Aufgabe zu gewöhnen. Sprechen Sie dies aber mit Ihrem Arzt ab. Es kann Gründe geben, warum Sie mit der Nahrungsaufnahme noch warten müssen. Um den Darm trotzdem frühzeitig mit kleinen Nahrungsmengen zu versorgen, wird dann häufig zunächst mit einer Ernährung über eine Sonde begonnen. Dieses Vorgehen wird auch als „minimale enterale Ernährung“ bezeichnet. Sie verhindert, dass sich die Darmzellen aufgrund eines fehlenden Nährstoffangebotes zurückbilden und es zu Funktionsstörungen des Darms kommt. Oft wird diese Form der Ernährung mit einer parenteralen Ernährung kombiniert, um den Körper ausreichend mit Energie und Nährstoffen zu versorgen.

Was kann ich für mein Immunsystem nach einer Operation tun?

Ihr Immunsystem profitiert besonders von einer ausreichenden Versorgung mit Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Hochwertige Fettsäuren wie die Omega-3-Fettsäuren, die in Seefisch enthalten sind, sind auch sehr hilfreich. Außerdem können Sie Ihr Immunsystem mit einem besonderen Eiweißbaustein, dem Glutamin, unterstützen. Diesen gibt es in Pulverform zum Einrühren in Wasser. Das Pulver enthält gleichzeitig viele Vitamine, die für eine gute Wundheilung jetzt wichtig sind.

Wo kann ich mich zur Ernährung bei Operationen weiter informieren?

Die Ernährungsempfehlungen bei Operationen hängen meist von der jeweiligen Art und dem Umfang der Operation ab. Deshalb gibt es keine speziellen Seiten für Ernährung bei Operationen. Am besten schauen Sie immer nach Ihrer Erkrankung selbst und suchen dann nach Empfehlungen zur Ernährung.

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