Ernährung bei Erkrankungen

Ernährung

bei Erkrankungen

Kurzdarmsyndrom

Menschen mit einem Kurzdarmsyndrom haben das Problem, dass sie sich mit dem normalen Essen nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgen können. Besitzt der Darm angeboren oder durch Operationen nur einen Bruchteil der normalen Länge, kann er nicht die volle Verdauungsarbeit leisten. Die Folge sind oft starke Durchfälle, sodass der Körper langfristig kaum mit ausreichend Energie und Nährstoffen versorgt werden kann.

Lesen Sie hier weiter, wie der Kurzdarm die Ernährung beeinflusst und wie Sie mit Ernährung die Folgen eines Kurzdarmsyndroms in den Griff bekommen.

Wie stark die Verdauungsprobleme ausgeprägt sind, hängt davon ab, wie viel von Ihrem Darm fehlt, welcher Bereich des Darms entfernt wurde und wie lange die Operation zurückliegt. Vor allem in der Anfangszeit nach der Operation kann die Aufnahme von Nährstoffen, Flüssigkeit und Mineralien häufig nur mit speziellen medikamentösen und ernährungstherapeutischen Maßnahmen aufrechterhalten werden.

Eine an Ihre Situation angepasste Ernährungstherapie ist jetzt sehr wichtig. Eine ausreichende Nährstoff- und Flüssigkeitsversorgung ist nämlich für die Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen unerlässlich. Besonders in der Anfangsphase nach der Darmoperation ist der verbleibende Darm noch nicht in der Lage, ausreichend Nährstoffe aufzunehmen.

Mangelernährung

Deshalb ist es oft notwendig, dass die Nährstoffe durch eine parenterale Ernährung verabreicht werden. So schnell wie möglich sollte natürlich mit einer Nährstoffzufuhr über den Magen-Darm-Trakt begonnen werden. Dies kann in Form einer Sondenernährung oder auch unterstützend mit einer Trinknahrung erfolgen. Parallel wird ebenfalls das normale Essen schrittweise wieder eingeführt. Je nach Ausprägung des Kurzdarmsyndroms sollten Sie bei dem, was Sie essen und trinken, einige Punkte beachten.

So beeinflusst das Kurzdarmsyndrom Ihren Ernährungsstatus

Zu einem Kurzdarmsyndrom kann es schon bei Neugeborenen aufgrund einer angeborenen Fehlbildung des Darmes kommen. Die häufigste Ursache für ein Kurzdarmsyndrom bei Neugeborenen und im Säuglingsalter ist die nekrotisierende Enterokolitis (NEC). Auch Fehlbildungen wie Gastroschisis, Omphalozele oder Atresien des Darms können zu einem Kurzdarmsyndrom führen. Bei Erwachsenen gibt es ganz unterschiedliche Gründe für eine Darmoperation und -verkürzung. Dazu zählt beispielsweise der Gefäßverschluss des Darms, auch Darminfarkt genannt. Bei einer entzündlichen Erkrankung des Darms, dem Morbus Crohn, kann ebenfalls eine operative Entfernung von Darmabschnitten notwendig werden. Außerdem kann eine Krebserkrankung die Entfernung von Darmabschnitten erfordern. Eine Schädigung nach Strahlentherapie (Strahlenenteritis) und andere Verletzungen des Darms können ebenso zu einer Darmverkürzung bzw. zu einem Funktionsausfall des Darms führen.

Jeder Darmabschnitt hat eine unterschiedliche Verdauungsaufgabe. Damit ist klar, dass - je nachdem, welcher Teil des Darmes bei Ihnen entfernt werden musste - mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist.

Der Dünndarm ist vor allem für die Aufnahme von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten verantwortlich. Aber auch Vitamine und Spurenelemente werden hier aufgenommen (resorbiert). Wasser und Mineralien (Elektrolyte) können sowohl vom Dünn- als auch vom Dickdarm in den Körper geschleust werden. Wird der obere Teil des Dünndarms (Jejunum) entfernt, können dessen Aufgaben im Verdauungsprozess meist von den nachfolgenden Darmabschnitten übernommen werden. Wird der untere Teil des Dünndarms (terminales Ileum) entfernt oder ist nicht mehr funktionsfähig, kann der restliche Darm dessen Aufgaben nicht übernehmen. Einige Nährstoffe können ausschließlich im terminalen Ileum aufgenommen werden. Hierzu gehören das Vitamin B12 und die Gallensäuren, die wichtig sind für die Verdauung von Fetten.

Am Übergang von Dünn- zum Dickdarm befindet sich ein Verschlussmechanismus, die Dickdarmklappe, auch Ileozökalklappe oder Bauhin´sche Klappe genannt. Sie verhindert den Rücktritt von Inhalten des Dickdarms in den Dünndarm, unter anderem das Übertreten von Keimen. Ist auch die Entfernung der Dickdarmklappe notwendig, können Bakterien in den Dünndarm gelangen und Probleme bereiten. Auch wird die Nahrung bei Fehlen der Verschlussklappe häufig zu schnell transportiert.

Durch das Kurzdarmsyndrom kann es passieren, dass Sie zu wenig Flüssigkeit und Elektrolyte aufnehmen. Langfristig kommt es je nach Ausprägung des Kurzdarmsyndroms auch zu einem
Eiweiß-, Fett- und Mineralstoffmangel. Besonders die beiden für die Knochen wichtigen Mineralstoffe Kalzium und Magnesium sind betroffen. Aber auch ein Mangel an Vitamin B12 und den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K ist typisch. Viele Patienten verlieren stark an Gewicht und sind zunehmend geschwächt, wenn sie keine angepasste Ernährungstherapie und nicht die richtigen Medikamente erhalten.

Für Ihre Nährstoffversorgung können Sie übrigens einiges tun. Mit der Ernährungstherapie verbessern Sie Ihren Ernährungszustand.

Ernährungsempfehlungen

Die Ernährung bei einem Kurzdarmsyndrom ist sehr stark davon abhängig, wie viel des Darms und welcher Darmabschnitt operativ entfernt wurde. Außerdem spielt es eine Rolle, wie viel Zeit seit der Operation vergangen ist: Der Darm ist in der Lage, sich bis zu einem gewissen Grad über die Zeit an die neue Situation anzupassen.

Kurz nach der Operation:

Nach der Entfernung größerer Darmanteile kommt es in der Regel zu vermehrtem Durchfall, und die Verdauung geht schneller. Es werden dann vom Darm sowohl zu wenig Flüssigkeit als auch zu wenig Nährstoffe aufgenommen. Vor allem die gestörte Aufnahme von Flüssigkeit und Elektrolyten wird vom Körper nur kurze Zeit toleriert. In dieser Phase ist meist eine parenterale Ernährung notwendig. Schon bald nach der Operation sollten Sie aber – wenn es Ihr Arzt erlaubt – zusätzlich wieder etwas essen. Ein Angebot von Nährstoffen durch natürliche Nahrungsaufnahme über den Darm fördert die Anpassung des Darms und kann so dazu führen, dass sich die Aufnahmefunktion des restlichen Darms im Lauf der Zeit verbessert. Der Kostaufbau muss jedoch langsam geschehen. Wie der Kostaufbau funktioniert, erfahren Sie in der Rubrik "Tipps für den Alltag". Sobald Sie wieder etwas essen können, sind Trinknahrungen eine Bereicherung für Sie. Sie enthalten alle wichtigen Nährstoffe und sind gut verträglich. Trink- aber auch Sondennahrungen helfen dem Darm, mit Nährstoffen wieder zurecht zu kommen. Zur Unterstützung kann aber immer eine zusätzliche parenterale Ernährung, die Sie auch zu Hause erhalten können (heimparenterale Ernährung), sehr gut geeignet sein. Weitere Informationen zur Ernährung nach Operationen finden Sie auch hier.

Mehrere Stunden bis Tage nach der Operation:

In der Regel kann sich der Darm an die neue Situation gut anpassen. Diese Anpassung wird ihm durch Kontakt zur Nahrung erleichtert. Ein paar Tage nach der Operation kann der Darm Trink- und Sondennahrung meist gut verarbeiten. Wenn das gut funktioniert, können Sie zusätzlich mit gewohnter Nahrung in kleinen Mengen beginnen. Außerdem kommt es in den ersten Monaten nach einer solchen Operation zu einer vermehrten Produktion von Magensäure. In diesem Fall können säurebindende Medikamente helfen.

Tage bis Wochen nach der Operation:

Jetzt braucht Ihr Körper eiweiß- und energiereiche Nahrung, um sich wieder gut zu erholen. Trink- und Sondennahrung kann hier eine sehr gute Hilfe sein – auch als Ergänzung zur normalen Ernährung. Sie ist auch bei angeborenem Kurzdarmsyndrom sehr hilfreich.

Wochen bis Monate nach der Operation:

Die Anpassung an die veränderte Situation im Darm, auch Adaptation genannt, kann mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern. Durch ein Wachstum der Schleimhautzellen im Darm kann die Fläche, die zur Aufnahme der Nährstoffe notwendig ist, vergrößert werden. Bei vielen Patienten führt dies dazu, dass sie sich nach einiger Zeit wieder weitestgehend normal ernähren können. Bei manchen Betroffenen ist jedoch auch langfristig keine hundertprozentige Adaptation möglich. Ihr Darm ist dauerhaft nicht in der Lage, ausreichend Flüssigkeit und/oder Nährstoffe aufzunehmen. Diese Betroffenen benötigen über einen längeren Zeitraum entweder eine komplette parenterale Ernährung oder eine intravenöse Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten. Nur so erhalten Sie eine ausreichende Nährstoffversorgung, die für einen guten Ernährungszustand sorgt.

Empfehlungen in besonderen Situationen:

Bei komplett erhaltenem Dickdarm, aber Entfernung des unteren Dünndarmabschnitts (terminales Ileum), kann es zum Auftreten eines Gallensäureverlustsyndroms kommen.

Gallensäuren werden für die Aufnahme von Fett benötigt. Sie dienen als Emulgator (Substanz, die dafür sorgt, dass sich Fett und Wasser zu einer Emulsion verbinden), damit sich die Fette im wässrigen Milieu des Dünndarms lösen können. Gallensäuren unterliegen in unserem Körper einem ständigen Kreislauf. Sie werden in der Leber gebildet, in der Gallenblase gespeichert und von dort bei Bedarf zur Fettverdauung an den Darm abgegeben. Im unteren Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) werden sie dann wieder aufgenommen und zur Leber transportiert, um erneut aufbereitet zu werden. Gallensäuren können im Gegensatz zu anderen Nährstoffen nur im Ileum aufgenommen werden. Wird dieser Darmabschnitt entfernt, werden die Gallensäuren nicht wieder aufgenommen. Es kommt zu dem so genannten Gallensäureverlust über den Dickdarm, sofern dieser noch vorhanden ist. Die Dickdarmschleimhaut reagiert sehr empfindlich auf die aggressiven Gallensalze und es kann zu starken Durchfällen kommen (chologene Diarrhö). Eine Linderung kann der Einsatz eines Gallensäurebinders, z. B. Cholestyramin verschaffen. Langfristig kann der Verlust der Gallensalze zu einer gestörten Fettverdauung mit vermehrter Ausscheidung von Fetten (Steatorrhö) führen.

Neben einer fettarmen Ernährung hilft hier die Verwendung von speziellen Fetten, den sogenannten mittelkettigen Fettsäuren (MCT-Fette). Ist der Dickdarm komplett entfernt und ein Stoma (künstlicher Ausgang) angelegt worden, können Fette meist in normaler Menge aufgenommen werden.

Wenn der Dickdarm nicht entfernt wurde, kann es in seltenen Fällen zu einer D-Laktatazidose kommen. Ursache ist bei hoher Zufuhr raffinierter Kohlenhydrate (z. B. Zucker) ein Übertritt unverdauter Kohlenhydrate in den Dickdarm, die dort von Bakterien umgesetzt werden. Dabei kann D-Laktat (Milchsäure) entstehen, wodurch der pH-Wert des Dickdarms absinkt (der Darm wird sauer). Dies begünstigt das Wachstum von Bakterien, die ebenfalls D-Laktat produzieren. Das D-Laktat kann vom menschlichen Körper nicht ausreichend abgebaut werden, wodurch neurologische Symptome hervorgerufen werden:

• Sehstörungen
• Verwirrtheit
• Gangunsicherheit

Fälschlicherweise werden diese Patienten häufig für alkoholisiert gehalten. Das D-Laktat kann im Blut bestimmt werden. Zur Therapie der Laktatazidose wird Bikarbonat gegeben und auf eine Kost umgestellt, die wenig raffinierte Kohlenhydrate enthält.

Ihr Arzt wird Ihnen auch raten, in regelmäßigen Abständen Ihre Nährstoffversorgung, besonders Ihre Versorgung mit Mineralstoffen, untersuchen zu lassen. Wenn nötig, wird er Ihnen zusätzliche Nährstoffe empfehlen und verordnen. Gerade wenn Ihnen das letzte Dünndarmstück fehlt, kann die Versorgung mit dem wichtigen Vitamin B12 beeinträchtigt sein. Das Vitamin B12 muss dann in regelmäßigen Abständen vom Arzt gespritzt werden.

Wie Sie erfahren haben, ist es beim Kurzdarmsyndrom wichtig, seinen Ernährungszustand zu kennen. Möchten Sie ihn testen? Dann schauen Sie hier.  

Tipps für den Alltag

Die Ernährung bietet einen guten Ansatzpunkt, aktiv den eigenen Gesundheitszustand – oder auch den Ihres Angehörigen – zu verbessern. Hier finden Sie hilfreiche Tipps, wie Sie dies im Alltag umsetzen können. Bitte sprechen Sie vorher alle Maßnahmen mit Ihrem Arzt oder einem Ernährungsberater ab.

Tipps zum Kostaufbau nach der Operation:

  • Beginnen Sie mit kleinen Portionen einer leicht verträglichen Kost, die einen Energiegehalt von 300-600 Kilokalorien (kcal) bietet. Bei guter Verträglichkeit können Sie die Energiezufuhr täglich um 200 kcal steigern. 
  • Verteilen Sie die Mahlzeiten auf 6 bis 8 kleine Portionen. 
  • Essen Sie zu Beginn gut verträgliche Lebensmittel wie Fisch und fettarmes Fleisch, Ei, Milch- und Milchprodukte, Wurzelgemüse, Kartoffeln oder säurearmes Obst. Steigern Sie die Fettzufuhr langsam.


Diese Nährstoffe sind wichtig:

  • Besonders wichtig ist eine eiweißreiche Ernährung. 
  • Eine fettarme Ernährung ist nur notwendig, wenn der Dickdarm noch vorhanden, der Dünndarm aber stark verkürzt ist bzw. der untere Abschnitt des Dünndarms, das terminale Ileum, fehlt und es zum Auftreten von Fettstühlen (Steatorrhö) kommt. Dann sollten Sie MCT-Fette zu sich nehmen. Das sind Fette mit mittelkettigen Fettsäuren, die der Körper auch ohne Fettverdauungsenzyme und Gallensäuren in oberen Darmabschnitten aufnehmen kann. 
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Erleichtert wird Ihnen das, wenn Sie Ihren Speiseplan z. B. mit vollbilanzierten Trinknahrungen ergänzen. 
  • Häufig müssen allerdings Zink, fettlösliche Vitamine und Magnesium extra eingenommen werden. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt oder Ernährungsberater.

 

Diese Nahrungsmittel sind geeignet:

  • Suchen Sie sich bevorzugt eiweißreiche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Ei, Milch- und Milchprodukte aus. Eiweiß ist notwendig, um Infekte zu vermeiden, Wundheilungsstörungen vorzubeugen, die Muskeln zu erhalten und die Organfunktionen zu unterstützen. 
  • Bevorzugen Sie Geflügel, Kalb und mageres Rind- oder Schweinefleisch. 
  • Gut geeignete eiweißreiche Milchprodukte sind Quark oder fettarmer Käse. 
  • Zusätzlich können Sie gut Eiweißpulver zum Anreichern Ihrer Speisen verwenden. 
  • Um den Energiegehalt zu erhöhen, ist Maltodextrin, ein Pulver zum Anreichern der üblichen Nahrung, geeignet.

 

Diese Nahrungsmittel können Probleme bereiten:

  • Verzichten Sie jetzt am besten auf Hülsenfrüchte, Gurken, Pilze, Kohlsorten, frisch gebackenes Brot, frittierte Speisen, säurehaltige Lebensmittel, kohlensäurehaltige Getränke, frischen Salat, zu viel Rohkost, Tomaten, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Erbsen und grüne Bohnen.

 

So viel sollten Sie trinken:

  • Eine ausreichende Flüssigkeits- und Mineralienzufuhr ist bei einem Kurzdarmsyndrom besonders wichtig, vor allem wenn Sie durch Durchfälle hohe Flüssigkeitsverluste erlitten haben. 
  • Besonders gut geeignet sind beispielsweise isotone Sportlergetränke, Saftschorlen mit einem Mischungsverhältnis von 1/3 Saft und 2/3 Wasser oder gesüßter Tee mit einer Prise Salz. 
  • Sehr süße Getränke mit einem hohen Zuckeranteil können die Durchfälle eher verstärken. 
  • Testen Sie selbst, ob Ihr Körper ausreichend mit Flüssigkeit versorgt ist. Täglich sollte mindestens 1 Liter Urin ausgeschieden werden. Wenn Sie unsicher sind, dann sammeln und messen Sie einfach die Ausscheidung über 24 Stunden.

 

Weitere Ernährungsregeln:  

  • Essen Sie häufig kleine Mahlzeiten (sechs bis acht am Tag).
  • Trinken Sie während der Mahlzeiten nur kleine Mengen. Das lässt den Nahrungsbrei langsamer wandern. Etwa eine Stunde nach einer Mahlzeit können Sie etwas mehr trinken. 
  • Führen Sie ein Ernährungstagebuch, um Unverträglichkeiten schneller erkennen zu können. So ein Tagebuch ist auch für Ihren Ernährungsberater von unschätzbarem Wert. 
  • Ihre Energiezufuhr sollte höher sein als die bei einem Gesunden. Grund hierfür ist, dass Sie die Nährstoffe schlechter verwerten. Wenn Ihnen das Schwierigkeiten bereitet, versuchen Sie es doch zwischendurch mit energiereicher Trinknahrung. 
  • Kauen Sie immer gründlich. 
  • Trinken Sie eher eine halbe bis eine Stunde nach dem Essen schluckweise isotone Getränke. 
  • Wenn Sie häufig Durchfall haben: Versuchen Sie es doch einmal mit Heidelbeersaft, geriebenem Apfel, Haferschleim oder Zwieback, und rühren Sie etwas Kakaopulver unter. 
  • Wenn Sie Schwierigkeiten mit der Verträglichkeit von Milchprodukten haben, könnte dies auf eine Milchzuckerunverträglichkeit zurückzuführen sein, die bei manchen Kurzdarm-Patienten auftritt: Achten Sie dann besonders auf milchzuckerfreie Produkte. Im Handel gibt es auch milchzuckerfreie Milchprodukte.

Häufige Fragen

Welche Vorteile bringt mir die Ernährungstherapie?

Die Ernährungsberatung als wichtiger Bestandteil der Ernährungstherapie hilft Ihnen mit Tipps und Tricks bei Ihren individuellen Beschwerden. Die frühzeitige Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen ist eine Voraussetzung dafür, dass Sie schnell wieder auf die Beine kommen, keine Wundheilungsstörung erleiden, Ihr Immunsystem stark bleibt und sich Ihr Darm bestmöglich an die neue Situation anpasst. Mit der ganzen Palette an Möglichkeiten, nämlich der parenteralen Ernährung, Sondennahrung und Trinknahrung, können Sie sich in eine gute Ausgangsposition bringen.

Wie viel Darm braucht der Mensch?

Das kann nicht so leicht beantwortet werden. In der Regel können Sie nach der Anpassungsphase relativ beschwerdefrei sein, wenn von dem Dünndarm, der etwa vier Meter lang ist, noch mindestens ein Meter übrig ist. Ist der Dünndarm noch kürzer, ist die Verwertung von Nährstoffen sehr stark eingeschränkt. Mitunter kann dann über einen längeren Zeitraum eine parenterale Ernährung, also eine Nährstoff- und Flüssigkeitszufuhr über die Vene, notwendig sein.

Macht es einen Unterschied, welcher Teil des Darms fehlt?

Ja, für die Verwertung der Nährstoffe macht es einen Unterschied, welcher Teil des Darms fehlt. Der Dünndarm ist vor allem für die Aufnahme von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten verantwortlich. Aber auch Vitamine und Spurenelemente werden hier aufgenommen (resorbiert). Wasser und Mineralien (Elektrolyte) können sowohl vom Dünn- als auch vom Dickdarm in den Körper geschleust werden. Wird der obere Teil des Dünndarms (Jejunum) entfernt, können dessen Aufgaben im Verdauungsprozess meist von den nachfolgenden Darmabschnitten übernommen werden. Wird der untere Teil des Dünndarms (terminales Ileum) entfernt oder ist er nicht mehr funktionsfähig, kann der restliche Darm dessen Aufgaben nicht übernehmen. Einige Nährstoffe können ausschließlich im terminalen Ileum aufgenommen werden. Hierzu gehören das Vitamin B12 und die Gallensäuren, die wichtig sind für die Verdauung von Fetten. Auch eine Verkürzung des Dickdarms hat Einfluss auf die Beschwerden. Im Dickdarm werden Wasser und Mineralien aufgenommen. Funktioniert das nicht richtig, kann es zu Durchfällen kommen.

Auf welche Nährstoffe muss ich besonders achten?

Das kommt darauf an, um welchen Teil und um wie viel Ihr Darm verkürzt wurde. Grundsätzlich ist es wichtig, ausreichend Energie und Eiweiß aufzunehmen. Auch die Vitamin- und Mineralstoffversorgung sollte unbedingt stimmen. Bei den Fetten müssen Sie eventuell auf eine besondere Fettart zurückgreifen, wenn die Fette nicht mehr richtig aufgenommen werden und eine erhöhte Ausscheidung von Fetten über den Stuhl erfolgt (Steatorrhö): die mittelkettigen MCT-Fette. Liegt eine Fettverdauungsstörung vor, werden auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K nicht in ausreichender Menge aufgenommen. Die Versorgung mit diesen Vitaminen sollte regelmäßig überprüft werden. Kritisch kann außerdem die Aufnahme von Vitamin B12 sein, wenn der untere Dünndarmabschnitt, das terminale Ileum, entfernt wurde. Vitamin B12 wird nur in diesem Darmabschnitt aufgenommen. Fehlt dieser Darmabschnitt, muss Vitamin B12 in regelmäßigen Abständen vom Arzt gespritzt werden. Lassen Sie sich am besten ganz individuell beraten.

Welche Folgen kann ein Nährstoffmangel haben?

Wenn Sie nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind, kann das zu Komplikationen beim Heilungsprozess führen, Ihr Immunsystem wird dadurch geschwächt, und es können Wundheilungsstörungen auftreten. Der Mangel an bestimmten Nährstoffen kann aber auch zu ganz spezifischen Mangelerscheinungen führen. So kommt es beispielsweise zu einer Anämie (Blutarmut), wenn Vitamin B12 fehlt, da dieses an der Blutbildung beteiligt ist. Sie fühlen sich dann müde und antriebslos. Ist der Körper nicht ausreichend mit dem fettlöslichen Vitamin A versorgt, können Sehstörungen und Hautveränderungen auftreten. Nutzen Sie deshalb alle Möglichkeiten der Ernährungstherapie, um sich ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen.

Kann ich mich irgendwann wieder normal ernähren?

Das hängt ganz davon ab, welcher Teil und welcher Umfang Ihres Darms entfernt werden musste. In der Regel können Sie sich nach wenigen Tagen bis Wochen wieder normal ernähren und Ihren Ernährungszustand durch Trink- oder Sondennahrung, ggf. auch parenteraler Ernährung unterstützen. Je eher nach der Operation Sie mit der Ernährung über den Darm wieder starten können, desto besser sind Ihre Chancen auf eine langfristig normale Ernährung. Der Darm kann sich an die neue Situation nämlich sehr gut anpassen.

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